Die Orthoptistin / der Orthoptist: Ein Fachberuf im Gesundheitswesen stellt sich vor!

Orthoptik und Pleoptik haben sich seit den 50er Jahren zu einem umfangreichen und bedeutenden Spezialgebiet in der Augenheilkunde entwickelt.

Anstelle der Doppelbezeichnung wird die Berufsbezeichnung in der weiblichen Form verwendet; der Beruf steht Männern wie Frauen offen, wird jedoch derzeit nur von wenigen Männern ausgeübt.

Die Aufgaben der Orthoptistin waren zunächst therapeutischer Natur:
Das schielende bzw. sehschwache Auge sollte zu gutem Sehen (Pleoptik) und beide Augen zu richtiger Zusammenarbeit (Orthoptik) trainiert werden. Folgerichtig bezeichnete man ihren Arbeitsplatz als "Sehschule". Heute nimmt die Diagnostik in der staatlich anerkannten Tätigkeit der Orthoptistin einen wesentlichen Raum ein.

Die gesetzlich verankerte Aufgabe der Orthoptistin ist es vor allem, die Prävention, Diagnose und Therapie von Schielerkrankungen, Sehschwächen, Augenzittern und Augenbewegungsstörungen durchzuführen. Im Rahmen ihrer Tätigkeit prüft sie das Sehvermögen, untersucht die Stellung der Augen und die beidäugige Zusammenarbeit.
Die Beschwerden der Patienten, die eine Orthoptistin aufsuchen, sind z.B. Probleme wegen einer Schielstellung, Klagen über Doppelbilder, Augenmuskellähmungen, reduziertes Sehvermögen eines oder beider Augen, augenbedingte Kopffehlhaltungen, Augenzittern, Kopfschmerzen und Lesestörungen.

Die Orthoptistin versorgt Patienten aller Altersgruppen. Präventiv werden vorwiegend Kinder im Säuglings- und Kleinkindalter untersucht. Die wachsenden Anforderungen an das Sehen lassen jedoch die Zahl der Jugendlichen und Erwachsenen mit Sehstörungen bzw. Beschwerden steigen, die zunächst manchmal gar nicht dem Sehen zugeordnet werden. Beispiele hierfür sind Beschwerden bei der Bildschirmarbeit, Wahrnehmungsstörungen, Legasthenie.

Neben diesen primär klassischen Aufgabengebieten ist die Orthoptistin auch in weiteren spezifischen Arbeitsbereichen tätig, z. B. in der Diagnostik, Therapie und Rehabilitation von sehbehinderten Patienten aller Altersgruppen (Low Vision), Patienten mit Sehstörungen nach Hirnschädigung durch Unfall oder Schlaganfall, in der orthoptischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Entwicklungsauffälligkeiten und deren Folgen, in der Lehre, Forschung und Wissenschaft.

Die Orthoptistin arbeitet in orthoptischen Einrichtungen an Universitäts-Augenkliniken, allgemeinen Krankenhäusern, neurologischen Kliniken und bei niedergelassenen Augenärzten. Sie ist weiterhin tätig in Frühförderstellen, Rehabilitationseinrichtungen, Sonderschulen sowie Einrichtungen für Sehbehinderte und Blinde.
Orthoptistinnen sind vorwiegend im Angestelltenverhältnis tätig, nur wenige üben ihre Tätigkeit auf freiberuflicher Basis aus. Derzeit sind ca. 2400 Orthoptistinnen in Deutschland berufstätig.





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