Sehen will gelernt sein!

Der erste Blick in die Augen ihres Kindes ist für Eltern ein besonderes Erlebnis: Voller Neugier scheinen sie die Welt zu mit ihren Augen zu entdecken. Doch Sehen will gelernt sein. Damit die Sehfähigkeit sich optimal entfalten kann, müssen die Augen völlig gesund sein. Nur so kann das Gehirn die Reize erhalten, die für die Entwicklung des Sehvermögens wichtig sind. Ein Großteil derselben fällt in das erste Lebensjahr.

Ab 4. Lebenswoche: 

  • Erschrecken bei plötzlich auftauchenden Gegenständen
  • Blinzeln bei hellem Licht
  • Pupillen ziehen sich zusammen, wenn es plötzlich hell wird

3. - 4. Lebensmonat: 

  • Beide Augen fixieren und folgen
  • Ihr Baby lächelt sie an

6. - 8. Lebensmonat: 

  • Kopf wird bei genauem Betrachten gerade gehalten
  • Kind reagiert auf Abdecken eines, egal welchen Auges mit Unwillen
  • Gezieltes Greifen auch nach kleinen Gegenständen

10. - 12. Lebensmonat: 

  • Bevorzugen von farbigen Gegenständen
  • Das Kind scheint auch bei "Schummerlicht" noch alles gut zu erkennen

Die Sehschärfe, also die Fähigkeit, Gegenstände und ihre Details zu erkennen, entwickelt sich in den ersten Lebensjahren stetig. Mit ca. 4 Jahren erreichen Kinder etwa die Sehschärfe, die sie bis ins Erwachsenenalter begleiten soll.

Die Brechkraft, also die Brechung des einfallenden Lichts durch Hornhaut und Linse, entscheidet darüber, ob wir scharf sehen. Die meist anfängliche Weitsichtigkeit reguliert sich mit dem Wachstum des Augapfels in den ersten Lebensjahren.

Das räumliche Sehen entwickelt sich zwischen dem dritten und fünften Lebensmonat. Das Gehirn beginnt jetzt, die Einzelbilder des rechten und linken Auges zu verschmelzen, so dass sich ein dreidimensionaler Eindruck ergibt.

Schielt ein Auge, so kann sich das räumliche Sehen nicht ausbilden und auch die Entwicklung der Sehschärfe dieses Auges ist ernsthaft gefährdet. Eine solche Augenfehlstellung kann, muss aber nicht auffällig sein. Auch ein sehr kleines Schielen führt zu einer starken funktionellen Beeinträchtigung.

Bei den Vorsorgeuntersuchungen achten Kinderärzte auch auf die Sehentwicklung des Kindes. Das allein genügt jedoch nicht, denn manche Sehstörungen können nur von Augenärzten und Orthoptistinnen richtig erkannt werden.

Orthoptistinnen untersuchen schon bei Säuglingen und Kleinkindern die Sehschärfe, die Augenstellung und das räumliche Sehen mit speziellen Tests. Der Augenarzt führt eine allgemeine augenärztliche Untersuchung durch. Dabei prüft er Netzhaut, Sehnerv, Augenlinse und Hornhaut auf organische Auffälligkeiten. Danach wird die Brechkraft der Augen bestimmt.

Je früher Probleme entdeckt werden, umso effektiver können sie behandelt werden. Dazu gehört auch die Abklebebehandlung (Okklusionsbehandlung), bei der das gesunde Auge mit einem Augenpflaster abgedeckt wird, um das schielende Auge in seiner Sehentwicklung nicht unwiederbringlich zurückfallen zu lassen. Um ein auffälliges Schielen zu beseitigen, wird in der Regel im Vorschulalter eine Augenmuskeloperation durchgeführt. Auch hier spielt die Orthoptistin eine wichtige Rolle: sie bereitet Kind und Eltern mit verständlichen Informationen auf den Eingriff vor und liefert dem Augenarzt die nötigen Messwerte für eine erfolgreiche Operation. Eine Schieloperation hat nicht nur kosmetische, sondern vor allem auch funktionelle Gründe.

Gutes Sehen ist die Voraussetzung für so vieles im zukünftigen Leben Ihrer Kinder. Das beginnt beim Lesen lernen und hört bei der Berufswahl noch lange nicht auf. Deshalb empfiehlt der Berufsverband der Orthoptistinnen Deutschlands e.V.(BOD) eine orthoptische und augenärztliche Untersuchung aller Kinder spätestens im 3. Lebensjahr, bei Auffälligkeiten und familiärer Belastung schon in den ersten Lebensmonaten.





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