Gutes Sehen im Alter

Mit zunehmendem Alter steigt die Unfallgefahr. Nicht zuletzt sind oft "die schlechten Augen" daran schuld. Dabei ist gutes Sehen in jedem Alter möglich, wenn ein paar Dinge beachtet werden.

Mit dem Älterwerden nehmen nicht nur die gesundheitlichen Probleme zu, sondern auch die Unfallgefahren durch Sehbeeinträchtigungen unterschiedlichster Art. Manche Sehverschlechterungen treten schleichend und unbemerkt auf. Dabei ist gutes Sehen im Alter durchaus möglich, wenn regelmäßige augenärztliche Untersuchungen und gegebenenfalls auch Kontrollen bei einer Orthoptistin wahrgenommen werden. Orthoptistinnen arbeiten in Augenkliniken oder Augenarztpraxen und befassen sich mit der Verhütung, Diagnose und Therapie von Schielerkrankungen, Sehschwächen, Augenzittern, Augenbewegungsstörungen sowie der richtigen Zusammenarbeit beider Augen.

Regelmäßige Brillenkontrollen

Auch im Alter kann sich die Brechkraft der Augen verändern. Die Verformbarkeit der Linse nimmt ab, sie kann sich nicht mehr für scharfes Sehen in der Nähe einstellen. Eine Nahbrille ist beim Lesen oder Handarbeiten erforderlich. Wenn bereits für die Sicht in die Ferne eine Korrektur notwendig ist, kann eine Zweistärkenbrille (Bifokalbrille) hilfreich sein, in deren unteren Glasteil ein Nahteil eingearbeitet wird. Da man beim Lesen, Schreiben oder Essen meist nach unten blickt, schaut man dann automatisch durch die für die Nähe erforderliche Korrektur. Je nach Glasstärke wird jedoch beim Übergang zwischen Fern- und Nahteil häufig ein kleiner Bildsprung als störend empfunden. Viele Patienten gewöhnen sich nach einiger Zeit recht gut daran. Sie müssen aber beachten, dass sie beim Treppensteigen, vor allem aber beim Treppenabgang, nach unten blicken müssen. In diesem Fall kann das Nahteil sehr hinderlich sein – Treppenstufen könnten übersehen werden. Um einen Sturz zu verhindern, muss der Kopf gesenkt werden, damit man durch den Fernteil des Glases blicken kann. Für Patienten mit Rückenwirbelproblemen ist das nicht so einfach. Sie sollten besser zwei getrennte Brillen haben: eine nur für die Ferne und eine extra für den Nahbereich. Weitere Korrekturmöglichkeiten bieten Mehrstärkengläser als Dreistärkenglas oder mit fließenden Übergängen als modernes Gleitsichtglas in vielerlei Variationen.

In Hinblick auf eine mögliche Sturzprävention sollten die verschiedenen Möglichkeiten der Korrektur ausführlich mit dem Patienten besprochen werden. Falls die Sehschärfe für eine normale Fern- und/oder Nahbrille nicht mehr ausreicht, gibt es so genannte vergrößernde Sehhilfen, die höhere Vergrößerungen bieten. Es stehen verschiedene praktische Lupensysteme zur Verfügung, angefangen bei einfachen Hand- und Taschenlupen über verstärkte Lesebrillen mit Lupenaufsatz zum Lesen bis zu Monokularen, mit denen man sich z.B. auf der Straße besser orientieren kann. Sie sollten entsprechend der Mobilität des Patienten ausgesucht werden. Ihr Einsatz und ihre Handhabung erfordern etwas Geduld und müssen eingeübt werden, um zum gewünschten Seherfolg zu führen.

Doppeltsehen beseitigen

Plötzlich auftretende Doppelbilder erschweren die Wahrnehmung der Umwelt erheblich und stören die Orientierung im Raum. Höhen, Tiefen und Entfernungen können nicht mehr richtig eingeschätzt werden. Patienten greifen an Objekten vorbei oder stoßen vielfach an, was die Verletzungs- und Unfallgefahr erheblich erhöht. In diesen Fällen muss zunächst die Ursache der Doppelbilder herausgefunden werden, um das weitere therapeutische Vorgehen bestimmen zu können. Eine ausführliche orthoptische und augenärztliche Untersuchung ist erforderlich. In manchen Fällen muss auch ein Internist oder Neurologe hinzugezogen werden, um Allgemeinerkrankungen wie Diabetes, Durchblutungsstörungen und andere als Ursache auszuschließen.

Doppelbilder können durch Veränderungen der optischen Verhältnisse, durch Netzhauterkrankungen in einem Auge oder durch eine Störung in der Zusammenarbeit beider Augen und/oder Augenbewegungsstörungen verursacht sein. Während der Augenarzt Veränderungen im Auge diagnostiziert, sollte eine mögliche Störung der beidäugigen Zusammenarbeit von einer Orthoptistin untersucht werden.

Liegt eine solche Störung vor, gibt es verschiedene Möglichkeiten zur Beseitigung der Doppelbilder . Entweder wird ein Brillenglas mit einer lichtdurchlässigen, aber matten Folie abgedeckt oder es werden Prismenfolien beziehungsweise Prismengläser eingesetzt. Durch die Prismengläser werden die ins Auge einfallenden Lichtstrahlen so abgelenkt, dass doppelt gesehene Objekte zur Deckung gebracht und damit wieder einfach gesehen werden. In vielen Fällen ist dies jedoch nur für den Geradeausblick möglich. Bei Rechts- und Linksblick können weiterhin Doppelbilder empfunden werden. Der Patient muss also lernen, den Seitblick zu meiden und den Kopf immer mitzubewegen. Bestehen Doppelbilder über längere Zeit, kommt auch eine Augenmuskeloperation in Frage, um das zugrunde liegende Schielen zu beseitigen.

Gesichtsfeldausfälle kompensieren

Erworbene Schäden im Auge und in der Sehbahn, beispielsweise durch Erhöhung des Augeninnendrucks bei einem Glaukom, durch altersbedingte Makuladegeneration oder nach einem Schlaganfall, können Sehstörungen verschiedenster Arten verursachen. Meist handelt es sich um zentrale Ausfälle des Gesichtsfeldes, also jenes Sehraums, den wir mit unbewegtem Kopf und Augen wahrnehmen. Flächenhafte Ausfälle am Rand, insbesondere halbseitige Ausfälle im Gesichtsfeld sind ebenfalls möglich. Dies erschwert die Orientierung im Raum, aber auch die Lesefähigkeit des Patienten. Der Verlust eines großen Teils des gewohnten Gesichtsfeldes führt dazu, dass Patienten häufig stolpern, anstoßen oder sogar stürzen. Augenerkrankungen, die die zentrale Sehschärfe stark herabsetzen, erfordern die individuelle Anpassung von vergrößernden Sehhilfen und ein Training im Umgang mit ihnen. In vielen Fällen ist auch das Autofahren nicht mehr möglich. Das schränkt die Selbstständigkeit der Patienten enorm ein – sie sind auf die Hilfe ihrer Umwelt angewiesen.

Mit Hilfe visuell-rehabilitativer Maßnahmen können sie ihre Selbstständigkeit in einem gewissen Maße wieder erlangen. Dabei lernen sie, ihre Restsehleistung optimal im Alltag einzusetzen und sie erwerben Strategien, die den erlittenen Gesichtsfelddefekt kompensieren können. So können sie mit ihrer Sehbehinderung besser umgehen und stabilisieren ihr visuelles Wahrnehmungsvermögen. Oft helfen auch einfache Maßnahmen. Schon eine optimale Ausleuchtung des Wohnraumes sorgt für mehr Sicherheit und hilft Stolperfallen leichter zu erkennen. Das Zurechtfinden in der eigenen Wohnung, das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Einkaufen und weitere Dinge des alltäglichen Lebens können dann wieder ohne wesentliche gesundheitliche Gefährdung erledigt werden.

Um unnötige Unfälle, Stürze und Verletzungen im Alter zu vermeiden, ist eine regelmäßige augenärztliche Untersuchung zu empfehlen. Diese sollte bei Senioren ein (1) Mal jährlich erfolgen.

Durch das frühzeitige Erkennen von Augenerkrankungen, die die Sehschärfe mindern, kann eine vorbeugende Therapie die Seh- und Lebensqualität im Alter länger erhalten.

Einige Orthoptistinnen und Orthoptisten haben sich auf dem Gebiet Low Vision weitergebildet und zertifiziert als "Spezialistin/Spezialist für vergrößernde Sehhilfen und Low Vision Beratung". Viele Orthoptistinnen und Orthoptisten arbeiten in Spezialeinrichtungen für Sehbehinderte und haben viel Erfahrung auf dem Gebiet der Versorgung mit vergrößernden Sehhilfen und Hilfsmitteln. Sie finden die Listen der spezialisierten und zertifizierten Kolleginnen und Kollegen auf dieser Website unter www.orthoptistinnen.de/Infos für Patienten/Low Vision. 

Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband, DBSV

Das Projekt "Sehen im Alter" ist eine Initiative des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes, DBSV, das sich für besseres Sehen im Alter und vermeidbaren Sehverlust einsetzt.  

Hierfür ist ein umfassendes Netzwerk aus Augenheilkunde, Altersforschung, Betreuung und Selbsthilfe erforderlich. Auf www.sehen-im-alter.org entsteht eine Wissensdatenbank mit vielen Informationen zu diesem Thema! Lesen Sie dort mehr!

Weiterführende rehabilitative Maßnahme

Der schleichend zunehmende Sehverlust im Alter kann die Selbständigkeit stark beeinträchtigen. Um sich wieder sicher und effektiv in der Umwelt bewegen zu können, können visuell behinderte Menschen mit einem "Orientierungs- und Mobilitätstraining", sowie "Training für lebenspraktische Fertigkeiten" lernen, eine Selbständigkeit und damit auch Unabhängigkeit wieder zu erlangen. Diese Therapien werden von Augenärzten verordnet. 

Für weitere Informationen: 

Orientierung und Mobilität: http://www.youtube.com/watch?v=Yzu6v1PC6ws

Lebenspraktische Fertigkeiten: http://www.youtube.com/watch?v=3d0Q248TzP0





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